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Generation Z in der Ausbildung und Arbeitswelt: Zwischen Vorurteilen und neuen Erwartungen

  • Autorenbild: Remo Zürcher
    Remo Zürcher
  • 9. Nov. 2025
  • 5 Min. Lesezeit

«Die wollen doch nur chillen und Sinn finden.» Solche Aussagen hört man immer wieder, wenn über die Generation Z gesprochen wird. Sie wirken zugespitzt und prägen häufig öffentliche Diskussionen über junge Menschen. Hinter solchen Zuschreibungen steckt jedoch meist der Versuch, Veränderungen in der Arbeitswelt mit einfachen Erklärungen zu deuten. Wenn Erwartungen an Arbeit, Lernen oder Karriere sich verändern, entsteht schnell der Eindruck, eine neue Generation unterscheide sich grundlegend von den vorherigen.


Die Generation Z, geboren etwa zwischen 1995 und 2010, ist mit Internet, Smartphones und sozialen Medien aufgewachsen. Digitale Kommunikation, permanente Informationsverfügbarkeit und globale Vernetzung gehören für viele junge Menschen selbstverständlich zum Alltag. Diese Erfahrungen beeinflussen auch ihre Erwartungen an Arbeit, Zusammenarbeit und persönliche Entwicklung. In vielen Betrieben führt dies zunächst zu Irritationen. Gleichzeitig eröffnen diese Veränderungen neue Perspektiven für Ausbildung, Führung und Zusammenarbeit.


Junger Mensch sitzt auf einer Schaukelbank am See und blickt in die Natur. Symbolbild für Generation Z, die über Zukunft, Arbeit und persönliche Entwicklung nachdenkt.
Junge Menschen stellen heute häufiger Fragen nach Sinn, Entwicklung und persönlicher Perspektive. Diese Haltung prägt auch ihre Erwartungen an Ausbildung und Arbeitswelt.

Mehr als ein Klischee


Die Vorstellung, junge Menschen würden vor allem Freizeit, Selbstverwirklichung oder Work-Life-Balance suchen, taucht in öffentlichen Diskussionen regelmässig auf. Solche Zuschreibungen entstehen häufig dann, wenn sich gesellschaftliche Werte verändern. Kritik an jungen Generationen ist dabei kein neues Phänomen. In vielen Epochen wurden Jugendliche als wenig belastbar, zu anspruchsvoll oder zu wenig engagiert beschrieben. Tatsächlich stellen viele junge Menschen heute Fragen, die früher seltener gestellt wurden. Sie möchten verstehen, welchen Beitrag ihre Arbeit leistet, welche Wirkung sie entfalten kann und welche Entwicklungsmöglichkeiten sich daraus ergeben.


Statussymbole oder klassische Karrieremodelle stehen dabei für viele weniger im Mittelpunkt als sinnvolle Aufgaben, Lernmöglichkeiten und Gestaltungsspielraum. Unternehmerinnen und Unternehmer wie Yaël Meier oder Jo Dietrich, die sich intensiv mit der Generation Z beschäftigen, weisen darauf hin, dass viele junge Menschen stark von Sinnorientierung, digitaler Selbstverständlichkeit und einem ausgeprägten Bewusstsein für gesellschaftliche Entwicklungen geprägt sind. Solche Veränderungen stellen Organisationen vor neue Herausforderungen, eröffnen aber gleichzeitig Chancen für Weiterentwicklung.


Digitalisierung prägt Erwartungen an Arbeit und Lernen


Die Generation Z ist die erste Generation, die vollständig in einer digitalen Informationswelt aufgewachsen ist. Wissen ist jederzeit verfügbar, Kommunikation findet häufig online statt und Informationen verbreiten sich in hoher Geschwindigkeit. Diese Erfahrungen verändern auch Lernprozesse. Viele junge Menschen sind es gewohnt, Informationen selbstständig zu recherchieren, digitale Werkzeuge zu nutzen und sich Inhalte über verschiedene Kanäle zu erschliessen.


Für Ausbildung und Arbeitswelt bedeutet dies eine neue Ausgangslage. Lernen wird stärker dialogisch, vernetztes Denken gewinnt an Bedeutung und digitale Technologien werden selbstverständlicher Bestandteil von Arbeitsprozessen. Gleichzeitig entstehen neue Anforderungen. Informationen müssen bewertet, eingeordnet und kritisch hinterfragt werden. Gerade deshalb gewinnen Fähigkeiten wie analytisches Denken, Selbstorganisation und Reflexionsfähigkeit zunehmend an Bedeutung.


Beziehung gewinnt an Bedeutung


Ein zentrales Merkmal vieler junger Menschen betrifft die Bedeutung von Beziehungen im Arbeitskontext. Vertrauen, Authentizität und ehrliche Kommunikation spielen eine wichtige Rolle. Autorität allein genügt häufig nicht mehr, um Orientierung zu schaffen. Führung funktioniert zunehmend dort, wo authentisches Interesse, Präsenz und Respekt spürbar sind.


Gerade in der Berufsbildung wird dieser Aspekt besonders sichtbar. Lernende orientieren sich stark an den Menschen, die sie im Arbeitsalltag begleiten. Eine tragfähige Beziehung schafft Vertrauen und bildet die Grundlage für Motivation und Lernbereitschaft. Der Austausch mit erfahrenen Fachpersonen ermöglicht es, Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu verstehen und berufliche Erfahrungen einzuordnen. Solche Lernprozesse entstehen häufig im direkten Dialog und werden in vielen Betrieben bewusst als Mentoring oder begleitendes Lernen gestaltet.


Klarheit statt Kontrolle


Neben Beziehung spielt Klarheit eine wichtige Rolle. Viele junge Menschen möchten verstehen, warum sie bestimmte Aufgaben übernehmen und welchen Beitrag ihre Arbeit im grösseren Zusammenhang leistet. Fehlt diese Orientierung, wird Verhalten schnell als mangelnde Leistungsbereitschaft interpretiert. Häufig entsteht jedoch eher Unsicherheit als fehlende Motivation.


Klare Erwartungen, transparente Ziele und regelmässige Rückmeldungen schaffen Orientierung. Sie helfen jungen Menschen, Verantwortung zu übernehmen und ihre Entwicklung aktiv zu gestalten. Gerade im Ausbildungsalltag zeigt sich, wie wichtig verständliche Kommunikation und konstruktives Feedback sind. Lernende möchten wissen, welche Fortschritte sie machen und welche nächsten Entwicklungsschritte möglich sind.


Neue Rollen in Ausbildung und Führung


Diese Veränderungen wirken sich auch auf die Rolle von Ausbildenden, Lehrpersonen und Führungskräften aus. Ihre Aufgabe besteht heute nicht mehr nur darin, Wissen zu vermitteln oder Arbeit zu kontrollieren. Vielmehr begleiten sie Lernprozesse, geben Orientierung und unterstützen junge Menschen dabei, ihre Fähigkeiten weiterzuentwickeln.


Eine solche Rolle erfordert Offenheit, Dialogbereitschaft und Vertrauen. Gleichzeitig bietet sie die Chance, Motivation zu fördern und Potenziale sichtbar zu machen. Wenn Lernende erleben, dass ihre Fragen ernst genommen werden und sie aktiv an Lernprozessen beteiligt sind, entsteht häufig eine hohe Lernbereitschaft.


Zwischen Sicherheit und Selbstverwirklichung


Viele junge Menschen verbinden zwei Bedürfnisse miteinander, die auf den ersten Blick widersprüchlich wirken. Einerseits suchen sie Stabilität und Sicherheit im Berufsleben. Andererseits spielt persönliche Entwicklung eine wichtige Rolle. Diese Kombination beschreibt jedoch kein Paradox, sondern ein verändertes Verständnis von Arbeit.


Arbeit wird nicht nur als Mittel zum Einkommen gesehen, sondern auch als Teil der eigenen Lebensgestaltung. Gerade in der Berufsbildung kann diese Haltung produktiv genutzt werden. Wenn Lernende erleben, dass ihre Arbeit Bedeutung hat und sie ihre Fähigkeiten weiterentwickeln können, entstehen Motivation, Engagement und Verantwortungsbewusstsein.


Generationenmodelle als Orientierung, nicht als Schublade


Der Begriff «Generation Z» beschreibt gesellschaftliche Entwicklungen und keine festen Kategorien. Menschen sind individuell, und nicht jede Person erkennt sich in solchen Beschreibungen wieder. In der wissenschaftlichen Diskussion werden Generationenmodelle teilweise kritisch betrachtet, weil sie schnell zu pauschalen Zuschreibungen führen können.


Dennoch helfen solche Begriffe dabei, Veränderungen in Werten, Erwartungen und Lebensrealitäten sichtbar zu machen. Entscheidend ist jedoch, Generationen nicht als starre Schubladen zu verstehen. Am Ende bleibt immer der einzelne Mensch entscheidend.


Blick in die Zukunft


Während die Diskussion über die Generation Z noch geführt wird, kündigt sich bereits die nächste Generation an. Die Generation Alpha wächst vollständig digital auf und wird in einigen Jahren ebenfalls in Ausbildung und Arbeitswelt eintreten. Die entscheidende Frage wird deshalb weniger sein, wie Organisationen mit einzelnen Generationen umgehen. Wichtiger ist, wie gut unterschiedliche Perspektiven miteinander verbunden werden können.


Gerade die Schweizer Berufsbildung besitzt hier eine besondere Stärke. Sie verbindet praktische Erfahrung mit persönlicher Begleitung und schafft damit einen Rahmen, in dem junge Menschen ihre Fähigkeiten entwickeln können.


FAQ: Generation Z in der Ausbildung und Arbeitswelt


Wer gehört zur Generation Z?

Zur Generation Z zählen meist Menschen, die etwa zwischen 1995 und 2010 geboren wurden und mit digitalen Technologien aufgewachsen sind.


Warum wird diese Generation häufig kritisiert?

Veränderungen von Arbeitswerten und Erwartungen führen häufig zu Missverständnissen zwischen Generationen.


Was ist jungen Menschen besonders wichtig?

Viele suchen Sinn in ihrer Arbeit, wünschen sich klare Kommunikation, Entwicklungsmöglichkeiten und wertschätzende Beziehungen.




Bildquelle:

Unsplash / La-Rel Easter


Literatur:

  • Engelhardt, M., Engelhardt, N., & Trieschmann, A. (2025). Generation Z – wie ticken sie? Wie ticke ich? Beziehung ist Trumpf: Tipps zur Zusammenarbeit in Bildung und Beruf. hep Verlag.

  • Esmailzadeh, A., Meier, Y., Birkner, S., de Gruyter, J., Schwiezer, H., & Dietrich, J. (Hrsg.) (2022). Gen Z – Für Entscheider:innen. Campus Verlag.


Hinweis zum Inhalt:

Dieser Beitrag basiert auf persönlichen Erfahrungen aus der Begleitung und Ausbildung von Lernenden in der Schweizer Berufsbildung sowie auf Beobachtungen aus dem Ausbildungsalltag.

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