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Lernendenbegleitung im Lehrbetrieb: Erfahrungen aus der Praxis

  • Autorenbild: Remo Zürcher
    Remo Zürcher
  • 24. Feb.
  • 4 Min. Lesezeit

Die berufliche Grundbildung lebt von Menschen, die ihr Wissen weitergeben und junge Menschen auf ihrem Weg in die Arbeitswelt begleiten. Wer im Lehrbetrieb über längere Zeit Verantwortung für die Lernendenbegleitung übernimmt, stellt früher oder später fest: Fachwissen allein entscheidet nicht über den Erfolg einer Ausbildung.


Fachliche Kompetenz ist selbstverständlich eine wichtige Grundlage. Im Alltag der Berufsbildung zeigt sich jedoch schnell, dass andere Faktoren mindestens ebenso entscheidend sind. Vertrauen, klare Erwartungen, Geduld und eine verlässliche Begleitung prägen häufig stärker, wie sich Lernende entwickeln und wie sicher sie sich im beruflichen Umfeld bewegen.


Viele dieser Beobachtungen wiederholen sich unabhängig vom Berufsfeld, vom Betrieb oder von der Persönlichkeit der Lernenden. Über die Jahre entstehen dadurch Erfahrungen, die in ganz unterschiedlichen Ausbildungsumgebungen immer wieder bestätigt werden.


Zwei Personen geben sich einen festen Handschlag mit verschränkten Händen als Symbol für Vertrauen, Zusammenarbeit und Mentoring zwischen Generationen in der Ausbildung.
Vertrauen, Zusammenarbeit und gegenseitiger Respekt bilden die Grundlage erfolgreicher Lernbegleitung in der Berufsbildung.

Ausbildung umfasst mehr als fachliche Inhalte


Berufsbildung wird oft in erster Linie mit Fachwissen verbunden. Tatsächlich umfasst sie jedoch deutlich mehr. Lernende befinden sich während der beruflichen Grundbildung in einer Phase ihres Lebens, in der sie nicht nur berufliche Fähigkeiten erwerben, sondern auch Selbstvertrauen entwickeln, Verantwortung übernehmen und Orientierung im Arbeitsumfeld finden.


Der Lehrbetrieb ist für viele junge Menschen der erste Ort, an dem sie den Berufsalltag konkret erleben. Sie lernen, wie Zusammenarbeit funktioniert, wie Rückmeldungen gegeben und angenommen werden und welche Erwartungen im Arbeitsleben gelten. Gleichzeitig entwickeln sie ein Verständnis dafür, welche Rolle sie selbst im Betrieb einnehmen.


Dabei bringen Lernende sehr unterschiedliche Voraussetzungen mit. Manche starten mit viel Selbstsicherheit in die Ausbildung, andere benötigen zunächst Zeit, um sich in einem neuen Umfeld zurechtzufinden. Einige lernen rasch und übernehmen früh Verantwortung, während andere mehr Unterstützung benötigen. Diese Unterschiede gehören zur Realität der beruflichen Grundbildung und machen die Begleitung von Lernenden anspruchsvoll.


Entscheidend ist deshalb nicht nur, welche Inhalte vermittelt werden, sondern wie Lernprozesse im Alltag begleitet werden. Die Zusammenarbeit zwischen Lernenden und Berufsbildenden hat dabei eine zentrale Bedeutung.


Vier Erfahrungen aus der Lernendenbegleitung im Lehrbetrieb


Wer Lernende begleitet, stellt mit der Zeit fest, dass sich bestimmte Beobachtungen immer wieder bestätigen. Vier Aspekte zeigen sich besonders häufig.


  1. Beziehung geht vor Methode

    Ausbildungspläne, Lernaufträge und didaktische Instrumente sind wichtige Bestandteile der Berufsbildung. Ihre Wirkung entfalten sie jedoch erst dann, wenn eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Lernenden und Berufsbildenden besteht. Lernende müssen spüren, dass sie ernst genommen werden und Fragen stellen dürfen. Gerade in der Anfangsphase der Lehre ist diese Sicherheit entscheidend.


  2. Klarheit schafft Orientierung

    Viele Schwierigkeiten im Ausbildungsalltag entstehen nicht aus mangelnder Motivation, sondern aus unklaren Erwartungen. Wenn Lernende nicht genau wissen, was von ihnen erwartet wird, entstehen schnell Missverständnisse. Transparente Arbeitsaufträge, nachvollziehbare Rückmeldungen und klare Absprachen helfen dabei, Orientierung zu schaffen.


  3. Lernprozesse verlaufen selten geradlinig

    Fortschritte wechseln sich häufig mit Phasen ab, in denen Aufgaben schwieriger erscheinen oder Unsicherheiten auftreten. Gerade in anspruchsvollen Ausbildungsphasen kann es vorkommen, dass Lernende vorübergehend an ihre Grenzen kommen. Diese Situationen gehören zum Lernprozess und sind kein Zeichen für eine misslingende Ausbildung.


  4. Verantwortung stärkt Motivation

    Viele Lernende möchten ernst genommen werden und erleben, dass ihre Arbeit im Betrieb Bedeutung hat. Wenn ihnen Aufgaben zugetraut werden und sie Verantwortung übernehmen können, entsteht häufig mehr Engagement. Verantwortung bedeutet dabei nicht, Lernende allein zu lassen. Vielmehr geht es darum, ihnen Aufgaben schrittweise zu übertragen und gleichzeitig als Ansprechperson präsent zu bleiben.


Diese vier Erfahrungen zeigen, dass erfolgreiche Ausbildung im Lehrbetrieb nicht allein von fachlichen Inhalten abhängt. Entscheidend ist die Art und Weise, wie Lernprozesse im Alltag begleitet werden.


Perspektiven für die Berufsbildung


Die Arbeitswelt verändert sich kontinuierlich. Neue Technologien, veränderte Arbeitsprozesse und zunehmende Vernetzung beeinflussen auch die Anforderungen an Fachkräfte. Gleichzeitig bleibt eine grundlegende Erkenntnis bestehen: Erfolgreiche Berufsbildung entsteht dort, wo fachliche Kompetenz mit menschlicher Begleitung verbunden wird.


Berufsbildende im Lehrbetrieb, Praxisbildende, Lehrpersonen an Berufsfachschulen und weitere Beteiligte tragen gemeinsam dazu bei, dass Lernende nicht nur berufliche Fähigkeiten entwickeln, sondern auch Orientierung und Selbstvertrauen gewinnen. Diese Verbindung von Praxis, Begleitung und persönlicher Entwicklung gehört zu den grossen Stärken der Schweizer Berufsbildung.


Wenn junge Menschen auf diesem Weg gut begleitet werden, entstehen aus Lernenden Fachkräfte, die Verantwortung übernehmen und ihre berufliche Zukunft aktiv gestalten.


FAQ: Lernendenbegleitung im Lehrbetrieb


Warum reicht Fachwissen allein nicht für erfolgreiche Ausbildung?

Fachliche Kompetenz bildet die Grundlage der Ausbildung. Lernende benötigen zusätzlich Orientierung, Rückmeldungen und eine unterstützende Begleitung im Lehrbetrieb, um ihr Wissen sicher anwenden zu können.


Welche Rolle spielt die Beziehung zwischen Lernenden und Berufsbildenden?

Eine vertrauensvolle Zusammenarbeit erleichtert das Lernen erheblich. Lernende stellen eher Fragen, sprechen Unsicherheiten an und entwickeln mehr Sicherheit im Umgang mit neuen Aufgaben.


Warum ist Verantwortung für Lernende wichtig?

Wenn Lernende Verantwortung übernehmen dürfen, entwickeln sie Selbstvertrauen und ein besseres Verständnis für betriebliche Zusammenhänge. Das stärkt Motivation und berufliche Handlungskompetenz.




Bildquelle: 

Unsplash / Getty Images


Literatur:

  • Dehnbostel, Peter (2018).Lernen im Prozess der Arbeit. Münster: Waxmann.

  • Arnold, Rolf (2017). Wie man lernt, ohne belehrt zu werden. 29 Regeln für eine kluge Lernkultur. Heidelberg: Carl-Auer Verlag.

  • Rump, Jutta; Eilers, Silke (2017). Die Generation Z: Wie sie tickt, was sie verändert und warum sie uns alle ansteckt. Bern: hep Verlag.

  • Esmailzadeh, Annahita; Meier, Yael; Birkner, Stephanie; de Gruyter, Julius; Schwiezer, Hauke; Dietrich, Jo (Hrsg.) (2022). Gen Z für Entscheider:innen. Weinheim: Campus Verlag.


Hinweis zum Inhalt:

Dieser Beitrag basiert auf persönlichen Erfahrungen aus der Begleitung und Ausbildung von Lernenden in der Schweizer Berufsbildung sowie auf Beobachtungen aus dem Ausbildungsalltag in verschiedenen betrieblichen Kontexten.

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