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Lernen durch Erklären: Wenn Wissen wirklich verstanden wird

  • Autorenbild: Remo Zürcher
    Remo Zürcher
  • 21. Nov. 2025
  • 4 Min. Lesezeit
„Wenn du es nicht einfach erklären kannst, hast du es nicht gut genug verstanden.“

Dieses oft zitierte Wort, das Albert Einstein zugeschrieben wird, beschreibt ein grundlegendes Prinzip erfolgreichen Lernens. Wissen zeigt sich nicht nur darin, Informationen wiederzugeben oder Aufgaben korrekt auszuführen. Entscheidend ist, ob jemand einen Sachverhalt so erklären kann, dass andere ihn nachvollziehen können.


Gerade im Ausbildungsalltag wird dieser Unterschied schnell sichtbar. Lernende können Texte lesen, Anleitungen befolgen oder Aufgaben korrekt ausführen. Erst wenn sie erklären sollen, warum ein Arbeitsschritt notwendig ist oder wie ein Prozess funktioniert, zeigt sich, ob ein Thema wirklich verstanden wurde.


Graffiti-Porträt von Albert Einstein an einer Wand mit mathematischen Formeln und wissenschaftlichen Skizzen im Hintergrund.
Wissen zeigt sich nicht im Auswendiglernen, sondern darin, ob ein Thema so erklärt werden kann, dass andere es verstehen.

Verstehen zeigt sich im Erklären


Lernen bedeutet mehr als das Speichern von Informationen. Damit Wissen im Berufsalltag angewendet werden kann, muss es verarbeitet, strukturiert und mit bestehenden Erfahrungen verbunden werden. Genau dieser Prozess wird sichtbar, wenn jemand versucht, Inhalte zu erklären.


Beim Lernen durch Erklären müssen Gedanken geordnet und Zusammenhänge verständlich dargestellt werden. Komplexe Inhalte werden auf das Wesentliche reduziert und in eine nachvollziehbare Struktur gebracht. In diesem Moment zeigt sich, ob ein Thema wirklich verstanden wurde.


Viele Lernende erleben dabei einen wichtigen Moment. Während sie versuchen, einen Sachverhalt zu erklären, merken sie plötzlich, dass einzelne Schritte noch nicht vollständig klar sind. Dieser Moment ist kein Problem, sondern ein wertvoller Lernimpuls. Er zeigt, wo Verständnis noch vertieft werden kann.


In der beruflichen Grundbildung ist dieser Unterschied besonders relevant. Wer nur weiss, welche Arbeitsschritte auszuführen sind, kann Aufgaben erledigen. Wer versteht, warum diese Schritte notwendig sind, kann Zusammenhänge erkennen, Probleme lösen und Verantwortung übernehmen.


Erklären als Teil beruflicher Handlungskompetenz


In der beruflichen Grundbildung wird häufig von beruflicher Handlungskompetenz gesprochen. Sie verbindet fachliche Fähigkeiten, methodisches Denken und soziale Kompetenzen. Das Erklären verbindet diese Bereiche auf natürliche Weise.


Wer einen Arbeitsprozess erklären kann, zeigt fachliches Verständnis. Wer Inhalte verständlich formuliert, nutzt kommunikative Fähigkeiten. Wer Zusammenhänge darstellen kann, arbeitet strukturiert und reflektiert.


Damit wird das Erklären zu einem wichtigen Instrument der Kompetenzentwicklung. Lernende zeigen nicht nur, was sie wissen, sondern auch, wie sie denken.


Ein Beispiel aus dem Ausbildungsalltag verdeutlicht diesen Zusammenhang: Eine lernende Person erledigt eine technische Aufgabe korrekt. Erst wenn sie erklären soll, warum bestimmte Schritte notwendig waren, wird sichtbar, ob der Ablauf wirklich verstanden wurde. Kann der Prozess nachvollziehbar erläutert werden, zeigt sich solides Verständnis. Bleiben Antworten unklar, entsteht eine wertvolle Lernchance.


Lernen durch Weitergeben von Wissen


Didaktische Forschung zeigt seit vielen Jahren, dass das Weitergeben von Wissen zu den wirksamsten Lernformen gehört. Wer Inhalte erklärt, verarbeitet sie intensiver. Informationen werden neu strukturiert und in eine verständliche Ordnung gebracht.


Dieser Prozess vertieft das Verständnis. Lernende erkennen Zusammenhänge, die zuvor nicht offensichtlich waren. Gleichzeitig entwickeln sie ein Gefühl dafür, welche Informationen zentral sind und wie komplexe Inhalte verständlich dargestellt werden können.


Im Ausbildungsalltag lässt sich dieses Prinzip gut nutzen. Lernende können Arbeitsabläufe erklären, Fachbegriffe beschreiben oder Ergebnisse präsentieren. Auch kurze Gespräche über Lösungswege können helfen, Wissen sichtbar zu machen.


Solche Situationen stärken nicht nur fachliches Verständnis. Sie fördern auch Selbstvertrauen, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, eigene Gedanken klar auszudrücken.


Bedeutung im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz


Digitale Technologien verändern die Art, wie Wissen entsteht und genutzt wird. Künstliche Intelligenz kann Texte formulieren, Informationen strukturieren und Inhalte zusammenfassen. Diese Möglichkeiten eröffnen neue Chancen für Lernen und Weiterbildung.


Gleichzeitig entsteht eine neue Herausforderung. Wenn Inhalte schnell generiert werden können, wird es wichtiger zu prüfen, ob sie wirklich verstanden wurden.


Mündliche Formen der Wissensvermittlung gewinnen deshalb wieder an Bedeutung. Wenn Lernende Inhalte erklären, begründen oder diskutieren müssen, wird schnell sichtbar, ob sie Zusammenhänge verstanden haben. Wer einen Text mit digitalen Werkzeugen erstellt hat, ohne ihn zu verstehen, wird Schwierigkeiten haben, ihn überzeugend zu erläutern.


Damit verändert sich auch die Rolle der Ausbildung. Lernende sollen nicht nur Informationen produzieren, sondern sie verstehen, einordnen und reflektieren.


Sprache als Werkzeug des Denkens


Sprache spielt im Lernprozess eine zentrale Rolle. Wer Gedanken klar formulieren kann, ordnet gleichzeitig sein Wissen. Das Erklären unterstützt daher nicht nur das Lernen, sondern auch das Denken.


In vielen Berufen gehört das Vermitteln von Wissen zum Alltag. Fachpersonen erklären Arbeitsabläufe, instruieren neue Mitarbeitende oder besprechen Lösungen im Team. Wer gelernt hat, Inhalte verständlich zu vermitteln, stärkt damit seine berufliche Handlungsfähigkeit.


Diese Fähigkeit wirkt sich auch auf die langfristige berufliche Entwicklung aus. Kommunikationsfähigkeit, analytisches Denken und die Fähigkeit, Wissen verständlich weiterzugeben, gehören zu den Fähigkeiten, die in einer sich wandelnden Arbeitswelt zunehmend an Bedeutung gewinnen.


Perspektiven für Ausbildung und Lernen


Die Arbeitswelt verändert sich durch Digitalisierung, Automatisierung und neue Technologien. Gleichzeitig bleiben grundlegende Fähigkeiten wichtig. Dazu gehören kritisches Denken, Kommunikationsfähigkeit und die Fähigkeit, Wissen verständlich zu vermitteln.


Die berufliche Grundbildung verbindet praktisches Lernen mit theoretischem Verständnis. Lernende arbeiten in realen Situationen und reflektieren gleichzeitig ihre Erfahrungen.


Wenn Lernende lernen, ihr Wissen zu erklären, entsteht eine stabile Grundlage für Kompetenzentwicklung und berufliche Entwicklung. Wer erklären kann, zeigt nicht nur Wissen, sondern zeigt, dass Lernen zu Verständnis geworden ist.


FAQ: Lernen durch Erklären im Ausbildungsalltag


Warum hilft Erklären beim Lernen?

Beim Erklären müssen Inhalte strukturiert und verständlich formuliert werden. Dadurch wird Wissen aktiv verarbeitet und besser verstanden.


Warum wird mündliches Arbeiten wieder wichtiger?

Digitale Werkzeuge können Texte schnell generieren. Mündliche Erklärungen zeigen deutlicher, ob Inhalte wirklich verstanden wurden.


Wie können Lernende das Erklären trainieren?

Zum Beispiel durch Präsentationen, Peer Learning, das Erklären von Arbeitsabläufen oder Gespräche über Lösungswege.




Bildquelle:

Unsplash / Taton Moïse


Literatur und Studien:

  • Chi, M. T. H., Bassok, M., Lewis, M., Reimann, P., & Glaser, R. (1989). Self-explanations: How students study and use examples in learning to solve problems. Cognitive Science.

  • Renkl, A. (2015).Lernen durch Erklären. In: Handbuch Lernstrategien. Göttingen: Hogrefe.

  • Hoffmann, J., & Engelkamp, J. (2017). Lern- und Gedächtnispsychologie. Berlin: Springer.


Hinweis zum Inhalt:

Dieser Beitrag basiert auf persönlichen Erfahrungen aus der Begleitung und Ausbildung von Lernenden in der Schweizer Berufsbildung sowie auf Erkenntnissen aus der Lern- und Bildungsforschung.

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