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Wie führen Sie Lernende ruhig, klar und professionell?

  • Autorenbild: Remo Zürcher
    Remo Zürcher
  • 23. Apr.
  • 3 Min. Lesezeit

Emotionen gehören zum Ausbildungsalltag. Gerade dann, wenn Erwartungen nicht erfüllt werden, Fehler passieren oder Abmachungen nicht eingehalten werden, entstehen schnell Reaktionen aus dem Moment heraus. Wer Lernende führen will, steht dabei immer wieder vor der Herausforderung, in solchen Situationen ruhig und klar zu bleiben. Entscheidend ist nicht, dass Emotionen entstehen, sondern wie damit umgegangen wird.


Im Alltag ist immer wieder zu beobachten, dass Lernende lautstark zurechtgewiesen werden oder Aussagen fallen, die wenig überlegt sind. Solche Situationen entstehen häufig aus Ärger, Zeitdruck oder Frustration. Sie werden teilweise als Durchsetzungsfähigkeit verstanden. In vielen Fällen handelt es sich jedoch eher um eine spontane Reaktion als um bewusstes Führungsverhalten.


Schwarz-weisse Nahaufnahme eines offenen Mundes beim lauten Sprechen als Symbol für emotionale Reaktionen und deren Einfluss auf die Führung von Lernenden im Ausbildungsalltag.
Lernende führen heisst, auch in angespannten Momenten ruhig und klar zu bleiben statt aus der Emotion heraus zu reagieren.

Wie Sie Lernende führen und dabei Emotionen professionell einordnen


Ein lautes Eingreifen kann kurzfristig Wirkung zeigen. Aufmerksamkeit ist da, Verhalten wird unterbrochen und die Situation scheint geklärt. Gleichzeitig bleibt oft unklar, was konkret erwartet wird und wie es weitergeht. Lautstärke ersetzt in solchen Momenten häufig Klarheit.


Lernende reagieren dann angepasst und vermeiden weitere Auffälligkeiten. Das stabilisiert die Situation kurzfristig, führt aber selten zu einer nachhaltigen Entwicklung. Entscheidend ist, dass Verhalten verständlich eingeordnet wird und Lernende Orientierung erhalten. Genau hier zeigt sich auch die Qualität der Feedbackkultur, die im Alltag gelebt wird.


Was im Alltag häufig unterschätzt wird


Emotionale Reaktionen wirken nicht nur im Moment, sondern auch danach. Wenn Lernende nicht wissen, wie auf Fehler reagiert wird, entsteht Unsicherheit. Fragen werden weniger gestellt, Unsicherheiten bleiben bestehen und Probleme werden oft erst spät sichtbar.


Eine ruhige und klare Führung schafft dagegen Orientierung. Lernende wissen, woran sie sind, und können Verhalten besser einordnen. Das unterstützt auch Themen wie Selbstorganisation und Lernstrategien, weil Lernende Sicherheit gewinnen und Verantwortung übernehmen können.


Der entscheidende Unterschied im Verhalten


Emotionen lassen sich nicht vermeiden. Entscheidend ist, ob sie die Situation steuern oder bewusst eingeordnet werden. Im Alltag zeigt sich der Unterschied oft in kleinen Momenten. Wird sofort reagiert oder kurz innegehalten. Wird bewertet oder zuerst beobachtet. Wird Druck aufgebaut oder Klarheit geschaffen.


Diese Unterschiede wirken klein, haben aber grosse Auswirkungen auf die Zusammenarbeit und auf den Umgang mit Konflikten im Ausbildungsalltag.


Klar bleiben, ohne nachzugeben


Ein ruhiger Umgang bedeutet nicht, dass Verhalten toleriert wird. Klarheit und Konsequenz bleiben zentral. Lernende brauchen Orientierung und Verbindlichkeit.


Wirksam ist insbesondere:


  • Verhalten konkret benennen statt interpretieren

  • Erwartungen klar formulieren

  • Abweichungen konsequent ansprechen

  • ruhig bleiben, auch wenn die Situation angespannt ist


Diese Form der Führung schafft Klarheit, ohne die Situation unnötig zu verschärfen. Sie ist auch die Grundlage für schwierige Gespräche mit Lernenden, die im Alltag immer wieder notwendig sind.


Führung zeigt sich in anspruchsvollen Situationen


Viele Situationen im Alltag verlaufen stabil. Sichtbar wird Führung vor allem dann, wenn es schwierig wird. Wenn Erwartungen nicht eingehalten werden oder Spannungen entstehen, zeigt sich, wie klar gehandelt wird.


Eine ruhige Reaktion hilft, die Situation zu klären, ohne sie weiter aufzuladen. Genau darin liegt der Unterschied zwischen kurzfristiger Reaktion und nachhaltiger Führung.


Wirkung auf Lernende


Der Umgang mit Emotionen beeinflusst direkt, wie Lernende arbeiten und lernen. Eine ruhige und klare Führung schafft Sicherheit und Orientierung. Lernende können Verhalten besser einordnen und sind eher bereit, Verantwortung zu übernehmen.


Gleichzeitig bleibt die Zusammenarbeit stabil, auch wenn anspruchsvolle Themen angesprochen werden. Das ist eine wichtige Grundlage für Entwicklung im Ausbildungsalltag und für eine funktionierende Zusammenarbeit im Team.


FAQ: Emotionen in der Führung von Lernenden


Ist es falsch, Emotionen zu zeigen?

Nein. Emotionen sind ein normaler Teil des Berufsalltags. Entscheidend ist, ob sie bewusst eingesetzt werden oder unkontrolliert aus der Situation heraus entstehen.


Ist ruhige Führung zu wenig konsequent?

Nein. Konsequenz zeigt sich in Klarheit, Verbindlichkeit und nachvollziehbarem Handeln, nicht in der Lautstärke der Reaktion.


Wann sollte man eingreifen?

Dann, wenn Verhalten die Zusammenarbeit oder die Lernumgebung beeinträchtigt und Orientierung fehlt. Wichtig ist, dass das Eingreifen klar, sachlich und nachvollziehbar erfolgt.




Bildquelle:

Unsplash / Alexander Krivitskiy


Weiterführende Literatur:

De Florio-Hansen, I. (2025): Unterrichtsstörungen konstruktiv begegnen. Strategien zur Intervention und Prävention. Beltz Verlag


Hinweis zum Inhalt:

Dieser Beitrag basiert auf praktischen Erfahrungen aus dem Ausbildungsalltag sowie auf Beobachtungen im Umgang mit herausfordernden Führungssituationen in der Berufsbildung. Ergänzend fliessen Erkenntnisse aus der Lern- und Führungsforschung ein.


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